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05.12.2017 Westdeutsche Zeitung & Rheinische Post

 

Mit freundlicher Genehmigung von Taeglich.me

Wülfrath  |  4. Dezember 2017

Mit dem „Musikersaurus“ im „Winter Wonderland“

Von Thomas Reuter

Stimmungsvoll, berührend und fröhlich: Das adventliche Konzert des Musikvereins Kalkstädter wurde gestern Abend von 250 Besuchern bejubelt.

 

Als ob Flugsaurier durch das Gotteshaus flattern würden. Kommt da etwa ein Tyrannosaurus Rex ums Eck? Oder ist es – wie Moderatorin Ute vom Endt ahnt – doch nur ein Musikersaurus? Einer mit Flöte, Pauke und Mallet? Wuchtig wie die Dinos massig waren, beeindruckt der Musikverein Kalkstädter mit dem Medley aus dem Film „Jurassic Park“ – fliehende Tempowechsel, pointierte Rhythmus-Sprünge, laut und leise: Dass die 250 Besucher begeistert lang anhaltenden Beifall für diese Glanzleistung spenden, ist da nur mehr als berechtigt. Im Adventskonzert der Kalkstädter in der evangelischen Kirche Düssel ist diese Interpretation ein Höhepunkt.

Über Monate haben sich die Musiker auf diesen Abend vorbereitet. Mit kleinen Lichtern ist die Allee zur Dorfkirche ausgestattet – ein stimmungsvolles Entree. In den hektischen Tagen dieser Zeit etwas zur Ruhe kommen – dazu wollen die Kalkstädter einen Beitrag leisten. Und das gelingt ihnen scheinbar mühelos. Das Programm mit einigen Neuheiten im Repertoire des Musikvereins zeigt einmal mehr, wie besonders sich dieses Orchester entwickelt: volles Volumen, zarte Passagen, aufwändige Arrangements – mit Hingabe präsentiert; ein echt schöner, sehr schöner Abend in Düssel!

Ein Glockenspiel huscht durch den Klangraum. Verwunschen, ja fast ätherisch mit einer Prise Melancholie: So eröffnet das Ensemble das Konzert. „Feliz Navidad“ – das ist doch sonst so viel beschwingter? Doch die Kalkstädter schleichen orchestral in den Song, der nach und nach Tempo aufnimmt. Die Schlagwerker und Percussionisten haben dann alle Hände voll zu tun. Ramona Matthews tupft mit der Kontrabassflöte – einem E-Bass gleich – tief pochende Töne in den Rhythmusteppich. Jetzt wird Weihnachten fröhlich!

Der Musikverein veranstaltet kein klassisches Weihnachtskonzert. Auch populäre Kompositionen jenseits der Tannenbaumseligkeit werden gespielt. Sie fügen sich in die entschleunigende Grundstimmung ein. Das ist die Kunst. So passt auch „Nessaja“ aus dem Tabaluga-Musical in das Konzept. Sanft flirrt die Melodie, zu der viele ihren Oberkörper wiegen.

Wippen lässt hingegen“Pull up a chair“ – ein Lied aus einem Computerspiel. „Ein Guter-Laune-Song“, wie Ute vom Endt befindet, die die kurzfristig erkrankte Nicole Nöske mit Augenzwinkern und Detailkenntnissen über die Stücke bestens vertritt.

Die Weihnachtslieder des Abends haben Pop-Appeal. Sei es „Winter Wonderland“ oder „All I want for Christmas“: heimelige Umtempo-Nummern, von der Kalkstädtern punktgenau serviert – da kommt Freude auf.

Der Musikverein Kalkstädter hat den Reigen weihnachtlicher Konzerte in Wülfrath eröffnet – und einen hohen Maßstab gesetzt. Es war ein wunderschöner, berührender Abend, der unter der musikalischen Gesamtleitung von Tanja Rödel  stand, die das vielköpfige Ensemble bestens zusammengeführt hat. Danke für dieses Konzert!